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Architektin Dipl.-Ing. Birgit Wordtmann

Das Passivhaus 

häufig gestellte Fragen


Was ist passiv am Passivhaus?

Passiv ist vor allem die Heizung - denn ein Passivhaus heizt sich zum großen Teil selbst, durch die Nutzung der Wärmegewinne, wie Sonneneinstrahlung oder die Wärme der Bewohner und Elektro-Geräte. Es wird dann nur noch eine minimale Restheizung benötigt. Passiv ist auch die sehr gute Wärmedämmung, die die Wärme im Haus hält. Der Großteil der Wärme bleibt einfach im Haus und muss nicht aktiv durch z.B. Verbrennung von Öl oder Gas erzeugt werden.

Bei einem Fussballspiel im Winter gibt es zwei Arten wie man sich warm halten kann. Die Fussballspieler sind in ihren Trikots dünn angezogen und müssen sich daher bewegen, um warm zu bleiben. Sie müssen aktiv sein und laufend Energie (in Form von Kalorien) verbrennen. Die Zuschauer können sich rundum warm anziehen und sich in die Sonne stellen, dann bleiben sie passiv und trotzdem warm. Vereinfacht gesagt: So ähnlich funktioniert das auch mit dem Passivhaus - es ist warm eingepackt und nutzt die Wärme der Sonne.

Sind Passivhäuser teurer als herkömmliche Häuser?

Passivhäuser sind hochwertige Produkte, die einiges mehr bieten als herkömmliche Häuser - Passivhaus-Komfort, Bauschadensfreiheit, Versorgungssicherheit und eingesparte Energiekosten. Das alles erhöht maßgeblich den Immobilienwert.

Gegenüber einem Gebäude nach EnEV-Standard betragen die Mehrkosten für ein Passivhaus etwa 8 - 15%. Um die Wirtschaftlichkeit eines Passivhauses beurteilen zu können, müssen aber die Gesamtkosten betrachtet werden: nicht nur die Investitionskosten sind entscheidend, sondern auch besonders die Betriebskosten müssen berücksichtigt werden. Und das besonders in Anbetracht der immer weiter steigenden Energiepreise.
Für Bauherren ist die monatliche Belastung aus Finanzierungskosten und Betriebskosten entscheidend.
Zu den Betriebskosten zählen neben den reinen Heizkosten und Energiekosten auch Grund- und Wartungsgebühren, Bauwerkserhaltungs- und Refinanzierungskosten für die Anlagentechnik. Bei der Finanzierung sind die besonderen Förderkonditionen für das Passivhaus zu berücksichtigen.
Rechnet man die Mehrkosten bei der Investition, die eingesparten Energiekosten und die Möglichen Fördermittel zusammen ergibt sich eine monatliche Belastung ähnlich der bei einem konventionellen Gebäude gleicher Größe. Die Finanzierungskosten sind irgendwann abgetragen aber die Energiekosten bleiben.

Eine Beispielrechnung zum Thema "Energieeffiziente Einfamilienhäuser - Kosten und Wirtschaftlichkeit" finden Sie beim BINE-Informationsdienst.


Die Investition in ein Passivhaus ist die Investition in einen Gebäudestandard mit Zukunft! Gerade bei Häusern, die als Altersicherung gebaut werden, sollten die Betriebskosten und die möglichen Energiepreissteigerungen mit in die Entscheidung einbezogen werden.

Wer ein Passivhaus bauen möchte, sollte die Planung von Anfang an darauf abstimmen. Eine gut durchdachte und optimierte Planung kann die Kosten deutlich verringern. Es gibt inzwischen einige Passivhäuser, die nicht teurer waren als andere Neubauten nach derzeit gültigem Standard.

Darf man die Fenster öffnen?

Natürlich darf man die Fenster öffnen! Aber man muss es nicht. Durch die Komfortlüftungsanlage bekommt ein Passivhaus laufend frische Luft - ganz automatisch. Man muss sich nicht mehr aktiv darum kümmern und ständig daran denken, ob genug gelüftet wurde oder nicht. Man kann einfach drin wohnen.

Wenn es im Winter draußen sehr kalt ist, müssen Sie in einem Gebäude ohne Lüftungsanlage die Fenster öffnen, um zu lüften. Frische Luft wird herein gelassen und Feuchtigkeit und verbrauchte Luft wird hinaus gelassen. Sie müssen das tun, um Feuchteschäden und miefige Luft zu vermeiden. Dabei lassen Sie aber auch sehr viel kalte Luft herein und Wärme heraus. Dieser Wärmeverlust muss dann durch die Heizung wieder ausgeglichen werden. Die meisten Wohnungen mit traditioneller Fensterlüftung werden zudem nur unzureichend gelüftet.

Beim Passivhaus lassen Sie einfach die Fenster zu. Sie haben trotzdem frische Luft, Feuchtigkeit und schlechte Luft wird abtransportiert und die Wärme bleibt dank einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage im Haus.

Im Sommer können Sie ebenfalls die Fenster geschlossen halten. Dann bleibt die Hitze draußen. Außerdem können Sie Fliegen, Mücken oder allergieauslösende Pollen durch Filter ebenfalls aussperren und werden nicht dadurch belästigt.
 
Sie können aber durchaus die Fenster öffnen, wann immer Sie möchten. Die Funktion des Passivhauses bricht dadurch nicht zusammen. Ein Passivhaus ist sehr träge und es kühlt nicht so schnell aus. Wenn Sie die Fenster im Winter öffnen, müssen Sie aber den Wärmeverlust wieder ausgleichen. D.h. Sie verbrauchen dann etwas mehr Energie als eigentlich nötig wäre.
Sie werden die Fenster aber ohnehin sehr schnell wieder schließen, wenn Ihnen kalt wird - in einem Passivhaus genauso wie in einem konventionellen Haus.

Woher kommt denn nun die Wärme?

Ein Passivhaus funktioniert nach dem Prinzip "Wärmeverluste vermeiden und passive Wärmegewinne optimieren".
Ein Passivhaus ist so gut gedämmt, dass es nur noch sehr geringe Wärmeverluste durch die Gebäudehülle gibt. Außerdem ist das Passivhaus sehr luftdicht und es gibt eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, so dass auch der Wärmeverlust durch Lüftung nur noch sehr gering ist. Gleichzeitig werden passive Wärmequellen genutzt. Als erstes natürlich die Sonne. Durch optimal gewählte Fenster kann sogar mehr Energie durch die Fenster gewonnen werden als durch sie verloren geht. (Bei konventionellen Fenstern ist der Wärmeverlust erheblich größer als der passive Wärmegewinn.) Als passive Energie werden ebenfalls die sogenannten Internen Wärmequellen genutzt. Das ist die Abwärme von Lampen, Computern, Küchengeräten und weiteren elektrischen Geräten, aber auch die Wärme, die die Bewohner abgeben.

Nachgeheizt wird in einem Passivhaus vor allem an Tagen mit mässig kalten Temperaturen und Bewölkung (Typisches November-Wetter). Wenn die Hauptenergiequelle - die Sonne über längere Zeit fehlt, muss eben nachgeheizt werden. Allerdings ist der Heizenergiebedarf erheblich geringer als bei einem konventionellen Gebäude. Ein Passivhaus braucht nur etwa 75 % der Energie eines durchschnittlichen Neubaus.
Wenn an ungünstigen Tagen nachgeheizt werden muss, kann dies durch verschiedene Heiztechniken geschehen. Man ist in einem Passivhaus nicht auf eine bestimmte Art der Nachheizung festgelegt. Beschränkt wird die Auswahl des Systems allein durch die Leistung der jeweiligen Anlage. Ein Passivhaus hat eine Heizlast von max. 10 W/m². Das bedeutet, ein Haus mit 150 m² Wohnfläche benötigt eine Nachheizung mit einer Leistung von 1.500 W oder 1,5 kW. Das ist in etwa die Leistung eines größeren Toasters.

Ein konventionelles Haus benötigt etwa 2/3 der Wärme für die Raumheizung und 1/3 für Warmwasser. Beim Passivhaus dagegen ist der Warmwasserbedarf die entscheidende Größe, da der Heizwärmebedarf extrem gering ist. Die Wahl der geeigneten Anlagentechnik richtet sich daher meistens nach dem Warmwasserbedarf.
Gute Möglichkeiten für die Wärmebereitung in einem Passivhaus sind z.B. eine thermische Solaranlage in Kombination mit einem Wärmepumpen-Kompaktgerät, einem Holzpelletsofen, einem Gas-Brenner oder einfach mit einem Elektro-Heizstab. Die Wahl des geeigneten Systems richtet sich nach dem Grundstück (Wärmepumpe), Ausrichtung des Gebäudes (Solaranlage), Anschlussmöglichkeiten oder -zwänge (Gas, Fern- oder Nahwärme), Lagermöglichkeiten (Pellets) oder einfach nach dem Wunsch des Bauherren.

Kann man ein Passivhaus auch aus Stein bauen?

Passivhäuser sind auf keine bestimmte Bauweise festgelegt. Es gibt sie in Holz-, Massiv- oder Mischbauweise. Es sind auch sämtliche Fassaden möglich - Klinker, Holz, Putz, Metall etc.. Wichtig für ein Passivhaus sind allein der sehr gute Dämmstandard, gute Luftdichtheit und wärmebrückenfreie Konstruktion. Mit welchen Baustoffen dies erreicht wird ist nicht entscheidend. Es gibt allerdings bestimmte Vor- und Nachteile bei den unterschiedlichen Bauweisen (Vorfertigungsmöglichkeiten, Nutzung ökologischer Dämmstoffe, Wandstärken etc.).
Eine Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten für ein Passivhaus finden Sie z.B. in der Projektdatenbank der IG-Passivhaus.

www.ig-passivhaus.de

Kann man auch aus einem Altbau ein Passivhaus machen?

Auch ein bestehendes Gebäude lässt sich durch den Einsatz von Passivhaus-Komponenten, geschickte Überlegungen, gute Planung und sorgfältige Ausführung zu einem Passivhaus umbauen. Es gibt einige sehr erfolgreich durchgeführte Beispiele. Auch diese finden Sie unter anderem in der Projektdatenbank der IG-Passivhaus.
Bei manchen Altbauten können die Bedingungen allerdings so ungünstig sein, dass der Passivhaus-Standard nicht erreicht wird. Durch den Einsatz von Passivhaus-Komponenten kann aber der energetische Zustand des Gebäudes erheblich verbessert werden und den eines modernen Neubaus erreichen.

In meiner Diplomarbeit habe ich ein Dreifamilienhaus in ein Passivhaus umgewandelt und dabei die verschiedenen Problempunkte eines solchen Projektes näher betrachtet.

Diplom Dipl.-Ing. Birgit Wordtmann "Energetische Altbausanierung durch Umwandlung eines bestehenden Wohngebäudes in ein Passivhaus"

Wird es wirklich warm ohne Heizung?

Ein Passivhaus wird vorwiegend durch die Sonne geheizt. An sehr kalten Tagen (z.B. -10°C) ist es normalerweise sonnig und es wird schön warm im Passivhaus. Trübe diesige Tage ohne Sonne mit Außentemperaturen ca. 0°C - 5°C sind aber auch kein Problem. Einige trübe Tage hält sich die Wärme im Haus. Und bei längerer Zeit ohne Sonne gibt es die Möglichkeit nach zu heizen. Diese Nachheizung kann mit unterschiedlichen Systemen und Energieträgern sichergestellt werden. Wirklich kalt wird es in einem Passivhaus bei normaler Nutzung nicht.

Wichtig ist eher, darauf zu achten, dass das Passivhaus im Sommer nicht überhitzt. Eine Verschattungsmöglichkeit sollte immer eingeplant werden, um das Passivhaus im Sommer kühl zu halten.

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Welche Technik steckt im Passivhaus?

Passivhäuser kommen mit relativ wenig Technik aus. Es wird eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung benötigt und ein System für die Warmwasserbereitung, das auch zur Nachheizung herangezogen werden kann. Die Haustechnik ist durch eine einfach Regelung zu bedienen.
Die Lüftungsanlage besteht aus einem Rohrsystem, über das die frische Luft im Haus verteilt wird bzw. die Abluft fortgeführt wird. Kern der Anlage ist das Lüftungsgerät mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung. Hier verteilen zwei Ventilatoren die Luft - Frischluft wird ins Gebäude geleitet und Abluft hinaus. Die Abluft wird aus Küche, Bad, WC und gegebenenfalls anderen Räumen, in denen Gerüche und Feuchtigkeit entstehen kann, abgesogen. Die darin enthaltene Wärme wird genutzt, um die frische Luft zu erwärmen. Diese wird den Wohn- und Schlafräumen zugeführt.
Die minimale Restwärme für die Raumwärme sowie das Warmwasser können mit traditionellen Heizsystemen und jedem Energieträger erzeugt werden. Die Anforderungen sind allerdings viel geringer als bei einem konventionellen Gebäude, so das sich ein großer Aufwand nicht lohnt. Es gibt angepasste Heizsysteme, die diesen Vorteil gut nutzen. Da der Energiebedarf für die Warmwasserbereitung höher ist als der für die Heizung und Warmwasser das ganze Jahr über erzeugt werden muss, kann die Heizung als Nebenprodukt der Warmwasserbereitung realisiert werden. Gut geeignet für ein Passivhaus ist eine Solaranlage für die Warmwasserbereitung. Diese kann mit einer Wärmepumpe, einem Holzpellets- oder Stückholzofen oder mit einem Gas-Brenner kombiniert werden.   

Die Verteilung der Wärme über Heizkörper ist auch in einem Passivhaus möglich, aber nicht unbedingt erforderlich. Die Wärme kann auch einfach nur über die ohnehin notwendige Lüftungsanlage zugeführt werden. 

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Warum luftdicht bauen? Muss das Haus nicht atmen?

Ein undichtes Haus tauscht einen Teil der Luft über Ritzen und Fugen aus. Dieser unkontrollierbare und unzuverlässige Luftaustausch ist für eine hygienische Raumluftqualität aber überhaupt nicht ausreichend. Es muss immer noch zusätzlich gelüftet werden z.B. über die Fenster. 

Ein undichtes Haus verliert unkontrolliert und völlig unnötig Wärme, die dann durch die Heizung wieder ausgeglichen werden muss. Ritzen und Fugen machen sich z.B. durch Zugluft und Fußkälte bemerkbar und mindern die Wohnqualität merklich. 

Bei der Durchströmung der Fugen und Ritzen von Innen nach Außen kann sich Wasserdampf aus der feuchten, warmen Innenluft niederschlagen und zur Durchfeuchtung der Bauteile bis hin zu Schimmelpilzbildung führen. Bei einer luftdichten Bauweise werden diese Schäden vermieden.

© wordtmann 2007 - 2009